Ich ärgere mich und ich ärgere mich wirklich selten. Jetzt ärgere ich mich aber schon eine ganze Weile. Und schon mal vorab, den Schuh muss sich nur der anziehen, dem er passt.
Ende letzten Jahres gründete sich ein neuer Autorenverband. Es gibt solche Verbände schon für Liebesromanautorinnen, Krimischreiber und bestimmt noch viel mehr und nun auch für Phantastik-Autoren. Soweit so gut. Zwei dieser Verbände halten im April ihre Jahrestreffen ab. Ich gebe zu, ich treffe mich gern mit Kollegen. Warum also nicht mal über den Tellerrand schauen und sich mit Kollegen austauschen, die man noch nicht kennt. Meinem Mann gehe ich mit meinen Buchthemen manchmal schon auf den Keks ;-).PAN
Ich lade mir das Aufnahmeformular herunter und lese die Aufnahmebedingungen. Wir leben im Jahre 2016, habe ich jedenfalls bisher gedacht. Die Welt dreht sich und ist rund. Dinge verändern sich. Aber was muss ich da lesen? Aufgenommen werden nur Autoren, die bei Verlagen ihre Bücher veröffentlichen. Selfpublisher sind ausdrücklich ausgeschlossen.
DeliaIch veröffentliche meine Bücher im Selfpublishing, das heißt für die, die es nicht wissen – ich habe keinen Verlag an meiner Seite und trotzdem seit 2011 rund 800.000 Bücher verkauft. Ich bin stolz auf das, was ich tue und erreicht habe und es war eine Schweinearbeit, die ich sehr gern mache. Aber viel stolzer noch bin ich auf meine Leser, für die es keinen Unterschied macht, ob ein Verlagsname auf meinem Cover steht oder nicht. Aber ich schüttele den Kopf über meine Kollegen.
Ich schreibe gerade am ersten Teil einer neuen Fantasytrilogie, die im Frühjahr 2017 in einem Verlag erscheint. Ich schreibe am selben Rechner, sitze am selben Tisch und fühle mich auch ganz wie ich selbst. Nun frage ich mich allerdings: Werde ich plötzlich ein anderer Mensch, wenn ich mit einem Verlagsvertrag wedele? Erlebe ich eine wundersame Metamorphose? Werde ich von der Raupe zum Schmetterling? Ich bekomme schon jetzt eine ganz tolle Unterstützung von meinem Verlag. Trotzdem ändert es nichts daran, dass es meine Ideen, mein Herzblut und meine eigene kreative Leistung sind, um die es hier geht. Das habe ich bisher jedenfalls gedacht, aber vielleicht wissen die „richtigen“ Phantastikautoren ja schon mehr als ich.
Eine Geschichte ist eine Geschichte. Die eine ist besser, die andere schlechter erzählt. Eine findet mehr Leser und die andere nicht. Verlage können nicht unzählige Bücher herausbringen. Verlage sind gewinnorientierte Unternehmen, sie müssen Mitarbeiter und Mieten bezahlen. Autoren hingegen wollen Wörter zu Papier bringen, sie wollen ihre Geschichten der Welt erzählen und sie wollen, dass ihre Protagonisten Leser finden. Wie sie das tun, sollte im Jahre 2016 ihnen überlassen sein. Ich wünschte, es würde mehr Solidarität unter Autoren herrschen. Im Grunde könnten wir voneinander lernen, uns gegenseitig unterstützen und beide Seiten würden davon profitieren. Wie sollen Verlage uns wertschätzen, wenn wir es nicht mal selbst tun?syndikat
Ich wünsche mir eine Zeit, in der es normal ist, beide Wege zu gehen, eine Zeit in der sich nicht der selbst ungelesene Verlagsautor (ja auch die gibt es) dem SP-Kollegen überlegen fühlt. Denn anders kann ich es mir leider nicht erklären, warum eine Berufsgruppe einen großen Anteil an Mitkollegen aussortiert und diese als nicht wert erachtet, an ihrem Verbandsleben teilhaben zu lassen.
Klinge ich irgendwie eingeschnappt? Auf den einen oder anderen Kollegen mag das so wirken. Bin ich aber nicht (nur ein bisschen ;-)). Ich bin eher traurig, dass solche Praxis überhaupt von irgendwem toleriert wird. Ich bin ziemlich sicher, man hätte ein Modell finden können, um auch Kollegen partizipieren zu lassen, die sich abseits herkömmlicher Wege bewegen. Ein simples Bürgschaftsmodell, bei dem zwei Verbandsmitglieder für das Neumitglied bürgen, hätte vielleicht schon ausgereicht. Wenn man auf solcherlei Abgrenzung besteht. Aber na gut.
Werde ich im Frühjahr 2017 mit meinem Verlagsbuch winken und Verbandsanträge ausfüllen, damit ich mitspielen darf? Nicht, wenn sich nichts an den Bedingungen geändert hat – denn ich bin immer noch derselbe Mensch und meine Bücher erzählen immer noch dieselben Geschichten, die ja eigentlich ausschließlich meinen Lesern gefallen sollen.