Den ganzen Tag will ich schon einen Post schreiben und nun habe ich es doch vergessen, weil ich so vertieft in Zorn der Engel bin. Moon, Lucifer, Cassiel, Star und Semjasa machen es mir wirklich nicht leicht, aus ihrer Welt aufzutauchen. Weil ich aber morgen mit gefühlt sämtlichen Frauen meiner Familie in ein Frauenwochenende verschwinde, schicke ich euch hier eine Lesepobe und die Erinnerung, dass ihr noch genau drei Stunden für den Lovelybookslesepreis 2018 voten könnt.

Der Text schließt direkt an Teil 1 an und ist noch nicht lektoriert und korrigiert, aber ich hoffe, er gefällt euch trotzdem:

… Seit Felicia bei mir war, geht es mir besser. Ich habe den Tee getrunken und das Brot gegessen und mich an die Gewissheit geklammert, dass es Star und Tizian an nichts fehlt. Die Engel haben es nur auf mich abgesehen und wenn sie denken, ich wäre eine Schlüsselträgerin, dann meinetwegen. Ich werde an ihrer Prüfung teilnehmen, solange ich damit meine Schwester schütze. Ich verbiete mir an Cassiel zu denken. Er ist nicht mal eine winzige Überlegung wert. Trotzdem schleicht sich der Schmerz und die Verlegenheit über meine Gutgläubigkeit ungefragt in meine Gedanken. In den nächsten Tagen bleibe ich allein in der Zelle. Das ist einerseits gut, weil ich mich ausruhen und zu Kräften kommen kann und andererseits schlecht, weil es ich mich am liebsten mit jemanden streiten und mich prügeln würde. Einfach nur um die Angst und die Frustration abzubauen. So bleibt mir nur, alles in mich reinzufressen. Drei Tage nach Felis Besuch bringt Marco mir eine Hose. Er schiebt sie durch die Gitterstäbe. „Ich soll dir Grüße bestellen“, flüstert er ängstlich, damit die anderen Wächter ihn nicht hören. „Ihr Vater lässt sie nicht mehr aus dem Haus aber ich soll dir sagen, dass du dir keine Sorgen machen brauchst.“ Ich nicke zur Antwort. Wie soll das gehen? Ich habe einen Engel in unsere Wohnung gelassen. Ich habe ihn in mein Herz gelassen und meine Geschwister in Gefahr gebracht. Alles, worum ich gekämpft habe, ist verloren. Meine Freiheit aber vor allem das Geld und damit jede Möglichkeit für Star und Tizian die Stadt zu verlassen. Das sind die ungeschönten Fakten. Jetzt sitze ich in einer Zelle unter dem Dogenpalast und warte darauf, dass die Engel die letzten Mädchen finden, die sie für die Prüfungen brauchen. Küsst Cassiel gerade eine von ihnen, wie er mich geküsst hat? Ein Schauder läuft mir über den Rücken, wie jedes Mal, wenn ich daran denke. Ich war einsam – das ist meine einzige Erklärung, warum ich mich auf ihn eingelassen habe. Es ist eine Erklärung aber keine Entschuldigung. Denn die gibt es nicht. Wenn ich heute noch mal die Wahl hätte, würde ich die Plünderer persönlich zu ihm führen, damit sie ihm seine Federn herausreißen. Ich verstehe nicht, wie jemand so gefühllos sein kann. Egal, ob Mensch oder Engel. Marco ist kaum verschwunden, als ich mich lautlos vom Boden hochstemme und mit meinen Übungen fortfahre. Ich muss wieder zu Kräften zu kommen, ohne dass die Wärter es bemerken. Also mache ich Liegestütze, Kniebeuge oder laufe solange ich kann, auf einer Stelle. Sobald sich mir eine Möglichkeit zur Flucht ergibt, werde ich sie nutzen. Ob Feli doch noch mal wiederkommt? Vielleicht kann sich sie überreden, mir eine Waffe mitzubringen. Ich hänge mich an die Gittertür und ziehe die angewinkelten Beine nach oben. Zum ersten Mal bin ich meiner Mutter dankbar, für die stundenlangen Trainingseinheiten, die ich als Kind absolvieren musste. In den langen einsamen Stunden kommt es mir so vor, als hätte sie mich genau hierauf vorbereitet. Ich spule mein Programm einfach ab und es vertreibt jede Erinnerung an diesen elenden Engel aus meinem Kopf. Er ist es nicht wert, dass ich auch nur an ihn denke.

Später liege ich unter der Decke und lausche den Geräuschen, die mich umgeben, dem Stöhnen der anderen Gefangenen, dem Weinen, dem Schreien derer, die irgendwo in den unterirdischen Verliesen gefoltert werden. Hätte mich jemand gefragt, hätte ich gesagt, die Engel würden ihre Gefangenen selbst malträtieren. Aber es sind Menschen, die uns bewachen und quälen. Es ist nie ganz still, selbst nicht in der Nacht und ich muss ständig auf der Hut sein. Die Müdigkeit zerrt an meinen Nerven. Ich gestatte mir nur tagsüber ab und zu eine kurze Schlafeinheit. Keine Ahnung, wie lange ich das durchhalte. Zwar wurden keine anderen Gefangenen mit mir eingesperrt, aber von ihnen würde jetzt, da ich mich erholt habe, auch keine Gefahr mehr ausgehen. Als mein Essen, wenn man es so bezeichnen will, gebracht wird, liege ich in der Ecke und tue, als würde ich schlafen. Niemand soll wissen, wie gut ich  wieder in Form bin. Solange sie mich für geschwächt halten, unterschätzen sie mich vielleicht. Der Schlüssel rasselt im Schloss und die Tür wird aufgestoßen. Beim Öffnen erklingt ein leises Quietschen. „Wie geht es denn meiner Schönen heute?“ Klappernd stellt der Wächter das Tablett ab. Ricardo ist der unsympathischste Wärter von allem. Trotz des Gestankes, der mich selbst umgibt, rieche ich den den saurem Schweiß, den er ausströmt. Seine Zähne sind nur braune Stumpen und die Kleidung, die er trägt, muss er das letzte Mal vor der Invasion gewaschen haben. Er ist absolut widerlich. Zu meinem Erstaunen schließt er die Tür hinter sich und dreht sogar den Schlüssel herum. Ich spüre, wie er sich an mich heranpirscht. Schon ein paar Mal hat er versucht, mich zu begrapschen. In blinzele und versuche in dem schummrigen Licht etwas zu erkennen. Am Abend löschen die Wärter fast alle Fackeln und in den Zellen wird es noch dunkler, als es eh schon ist. „Dann wollen wir zwei uns mal amüsieren“, stößt er hervor. „Auf diese Gelegenheit warte ich seit Tagen.“ Sein hohes, hektisches Lachen erklingt, seine Hand schnellt hervor und er zieht an meiner Decke. Ich lasse sie los und spanne mich an. Er beugt sich über mich und ich spüre seine schmutzige Hand auf meinem Bauch, in dem Moment, in dem er sich an meiner Hose zu schaffen macht, schlage ich die Augen ganz auf und ramme ihm eine Handfläche in sein gieriges Gesicht …

Und dann bin ich auch schon wieder weg ;-).