Ich habe seit um sechs Uhr wirklich versucht, auf alle Kommentare zu antworten, aber das gestaltet sich etwas schwierig, weil ich mich auch zu oft wiederhole, deshalb noch mal ein Artikel zu meiner gestrigen Ausführung.

Mir war natürlich klar, wie kontrovers das Thema diskutiert werden würde und genau das wollte ich auch erreichen. Die Mail der Buchhändlerin war nämlich nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Ich bin nun seit zwei Jahren in der Buchhandelsszene unterwegs und bilde mir ein, keinen Durchblick, aber immerhin einen Eindruck zu haben, wie die Branche tickt. Und gerade läuft die Uhr nicht sonderlich rund, worunter wir alle zu leiden haben: Autoren, Buchhandel, Verlage und deren Mitarbeiter, Agenturen und ja, auch die Leser. Und genau auf diesen Aspekt wollte ich gern aufmerksam machen. Natürlich weiß ich auch, wie viele engagierte BuchhändlerInnen dort draußen unermüdlich daran arbeiten um Kinder, Jugendlichen und Erwachsenen das Lesen wieder schmackhaft zu machen und darüber bin ich, zuerst als leidenschaftliche Leserin dankbar.

Ich bedanke mich hier auch ausdrücklich bei meinen Lesern und Kollegen, die meinen Artikel begrüßt haben. Das bedeutet mir sehr viel, denn es zeigt, dass ich mit meinen Überlegungen nicht allein dastehe. Denn leider gehört zu meinem Eindruck auch, dass es sehr viele AutorInnen gibt, die Angst haben, etwas zu sagen oder gar zu fordern, weil sie dann eben keine Verträge mehr bekommen oder nicht mehr in den Regalen der Buchhandlungen stehen, ein Schicksal, dass mir jetzt wahrscheinlich blüht ;-). Aber Leute – die AutorInnen sind die, die euer Geschäft erst möglich machen. Ohne uns, die die Geschichten erzählen, gäbe es den Rest der Branche gar nicht. Also finde ich es nicht zu vermessen, zu erwarten, sich mal mit uns auszutauschen.

Um es noch mal deutlich zu machen. Es handelte sich bei dem von mir geposteten Link um ein E-Book. Ein E-Book, dessen Rechte bei mir liegen, selbst wenn ich also gewollt hätte, hätte ich keinen Link zum Verlag posten können. Aber darum ging es mir gar nicht. Ich wollte nur mal laut darüber nachdenken, was wir alle zusammen anders machen können und deshalb müssen jetzt nicht unzählige Selfpublishingtitel in den Regalen landen.
Aber wir können uns nicht vor lauter Angst wegducken und einfach alles so lassen, wie es immer war. Ich habe auch Angst, das ist heute wohl ganz normal. Auch ich weiß nicht, wie meine Zukunft als Autorin aussieht und deshalb muss ich, wie jeder andere versuchen, mit den veränderten Bedingungen zurechtzukommen. Ich will ja auch nicht sagen, dass früher alles doof und heute alles besser für die Autoren ist, weil es Amazon gibt. So ist es ganz und gar nicht und es ist nur eine Frage der Zeit, bis auch Amazon die Autoren irgendwie weiter knebelt.

Aber vielleicht noch ein Gedanke: Früher war es den Lesern unmöglich oder recht schwierig, mit ihren Lieblingsautoren zu kommunizieren. Das ging im Grunde nur über Briefe. Damit wusste ein Autor gar nicht, wie seine Leser eigentlich ticken. Er musste sich auf das Feedback der Buchhändler und der Verlage verlassen. Heute stehen wir Autoren direkt mit unseren Lesern in Kontakt und dieser direkte Kontakt ist etwas, auf das es sich genauer zu schauen lohnt. Denn dieser rege Austausch bedeutet natürlich, dass Autoren sehr genau wissen, was die Leser sich wünschen, wollen und gern lesen.
Wir reden hier von einer Generation von Nichtlesern, die auf uns zurollt, eben weil sie ihr Zeit lieber mit Instagram, Netflix und Co. verbringen. Weshalb nutzen wir diese Medien dann nicht gezielter für uns? Irgendwann sind die Omas und Opas, Mütter und Väter, die heute noch Bücher kaufen ausgestorben. Je früher wir uns alle zusammen Gedanken machen, wie wir mit der Situation umgehen umso besser sind wir für diese Zukunft gerüstet.

Und ich meine jetzt nicht um mit den Worten einer der Kommentatorinnen zu sprechen, dass sie in ihren Läden nur noch „Mainstreamscheiße a la Mara Wolf“ verkaufen müssen und ich habe auch kein Geheimrezept für einen Wandel. Aber es kann nicht so bleiben, wie es schon gestern war.

PS: Ich kaufe meine Bücher übrigens sehr gern bei www.geniallokal.de. Einmal anmelden, Lieblingsbuchhandlung raussuchen und so bequem wie bei Amazon einkaufen.
Das war jetzt mein abschließendes Statement und den Schuh kann sich übrigens jeder anziehen, wenn er passt oder eben nicht.