Reisetipps für Schottland

Mit dem Reisen ist das so eine Sache. Erst liest man tolle Bücher, die an den schönsten Orten der Welt spielen und wenn man selbst dorthin reist, ist man enttäuscht, weil alles ganz anders ist, als in den Romanen die man gelesen hat. Mit Schottland wird Euch das garantiert nicht passieren. Es ist ein Land, das den Reisenden sofort in seinen Bann zieht. Das Klima ist unserem sehr ähnlich und die Menschen sind sehr nett und zuvorkommend. Es ist vertraut und unvertraut zu gleichen Teilen. Eins meiner Lieblingssprichworte: „Ich reise nicht gern, dann bleibt die Welt ein wundervoller Ort“, trifft auf dieses Land ganz und gar nicht zu.

Das „richtige Schottland“, beginnt in den Highlands – erst dort kann man sich Geschichten wie die „MondLichtSaga“ ausdenken. Deshalb beginne ich auch mit der Isle of Mull, die wir mit unserem Camper ansteuerten. Unser erstes Ziel auf der Insel war Duart Castle. Wir lieben diese alten Schlösser, in denen man immer allerlei Krimskrams anschauen kann und über steile Treppen schleicht. Das Schloss liegt hoch oben auf einem Hügel und war vermutlich uneinnehmbar. Auf der Rückseite kann man über einen schmalen Weg zum Meer hinunterklettern und eine Bootsrundfahrt machen. Am besten gefallen hat uns, der leckere Kuchen, den es neben dem Schloss in einer kleinen Teestube gab. Das ist auch der Grund, weshalb Bree laufend Schokokuchen bäckt und es diesen sogar in Leylin gibt.

Über schmale Straßen, auf denen man immer hofft, dass einem kein Auto entgegenkommt ging es quer über die Insel. Rechts von uns wuchsen riesige dunkle Tannen in die Höhe, links erstreckten sich Wiesen. In meiner Erinnerung schien in diesem Urlaub immer die Sonne, wenn ich mir jetzt die Bilder anschaue, gucken mich Nebelschwaden an. Ich bin eben unverbesserlich optimistisch. Rauschende schmale Bäche durchziehen das Land und werden hier und da von steinernen kleinen Brücken überspannt. Häuser sind nur äußerst spärlich anzutreffen und man muss hoffen, dass man keine Panne hat.

Das absolute Highlight waren unsere Übernachtungen auf der Fidden Farm in Fiannoport auf Mull. Eigentlich ist dies kein offizieller Campingplatz, hat sich aber mit den Jahren dazu gemausert. Es gibt keinen Strom aber mittlerweile ein Häuschen mit tollen sanitären Anlagen. Da es sich eigentlich um Weideland handelt laufen zwischen den Campern immer mal wieder Schafe umher. Das eigentlich Spektakuläre ist, dass man direkt am Meer steht und schläft.

Unsere Große war auf der Suche nach Ruhe und vertrieb sich die Zeit auf den hohen Steinen, die die Bucht umspannen. Man muss nur etwas vorsichtig sein, wenn die Flut einsetzt. Sie hatte allerdings ein anderes Erlebnis der unheimlichen Art. Während sie da so saß, und von was weiß ich träumte, sprang auf einmal ein Otter (ich nehme an so etwas war es) aus dem Wasser und kletterte die Felsen zu ihr hinauf. Mein Stadtkind ergriff natürlich die Flucht. Wir fragen uns heute noch, ob sich der Otter nicht vielleicht in einen wunderschönen  Prince Charming verwandelt hätte. Naja – Chance verpasst.

Es gibt so viel von Schottland zu berichten, dass hier nur eine Kurzfassung möglich ist. Wir waren auf Dorffesten, auf denen die schönsten Schafe und die höchsten Sonnenblumen gekürt worden. Wir verspeisten selbstgemachte Landburger und schottischen Carrotcake. Auf den Highlandgames, die wir besuchten steckte uns der Besitzer der Losbude ein Los zu, mit dem unsere Kleinste ein riesiges rosa Plüschschwein gewann, das mir heute noch überall im Weg steht aber von meiner Tochter heiß geliebt wird. Mein Mann und mein Sohn entwickelten eine Leidenschaft fürs Fischen und fingen in Fort William ganze sechs Fische, von denen wir annehmen, dass es Makrelen waren. Ich schnitt ihnen die Köpfe und Schwänze ab und machte leckere Filets daraus. Mit viel Zwiebeln, Knoblauch und Kräuter aßen wir dann die leckersten Fische unseres Lebens. Wir bestiegen Berge bei strömenden Regen und liefen auf Mountainbikestrecken wieder hinunter, durchstreiften kleine Städtchen, spielten Golf, ohne etwas davon zu verstehen, aber den Schotten ist so etwas egal. Im Hafen von Portree, der von Felsen umgeben ist, die an vietnamesische Landschaftsfilme erinnern, probierten wir jedes der winzigen Restaurants aus, die die leckersten Meeresfrüchte anbieten. Zum Glück essen alle unsere drei Kinder mit Vorliebe komische Sachen.

In Dunvegan entdeckten wir die Fairy Flag, die die Vorlage für das kleine Stückchen Stoff ist, das Peter das Leben rettet und mit viel Fantasie kann man in dem Garten, der das Schloss umgibt, Leylin die Stadt der Elfen erkennen. Wenn es jemanden soweit westlich verschlägt, sollte er unbedingt die Passstraße über Skye nehmen und nicht an der Küste entlangfahren.

Die Aussicht dort oben ist spektakulär (wenn es nicht neblig ist).

Ich hoffe, ich habe Euch genug Lust auf dieses wunderbare Land gemacht und wünsche Euch auf etwaigen Reisen ganz viel Spaß.

Ach so, bevor ich es vergesse – unwiderstehliche, leicht abweisende Mr. Perfects trifft man dort leider nicht, eher etwas kräftige Naturbuschen, die Baumstämme durch die Gegend werfen. Aber was soll`s – man kann nicht alles haben…

Romantic & Fantasy Author