Dem Shellycoatmythos auf der Spur

Ich werde oft gefragt, weshalb ich mich beim Schreiben meines Buches für den Shellycoat als mystische Figur entschieden habe. Diese Frage ist einerseits leicht und andererseits schwierig zu beantworten.

Mir war beim Schreiben relativ schnell klar, dass ich keinesfalls einen wunderschönen und perfekten Vampir in mein Buch lassen wollte. Die Parallelen zu Twilight wären mir zu groß gewesen. Und mal ehrlich, Edward ist sowieso nicht zu schlagen. Ich wollte auch keinen Gestaltwandler, da es mich persönlich nicht anspricht, wenn ein Mann sich in ein wie auch immer geartetes Tier verwandelt.

Was blieb übrig? Engel, Dämonen, Nachtmahre? Alles nicht mein Fall. Damit seht ihr, dass ich einen Großteil der Bücher, die im selben Genre spielen wie die MondLichtSaga nicht gelesen habe. Ich überlegte also weiter und das einzige Element, dass mir einfiel und aus dem noch kein perfektes Wesen entstiegen war, blieb das Wasser.  Nun wollte ich aber weder ein Selkie noch einen Nix. Ein Mann mit Fischschwanz oder einer, der in seinem zweiten Leben eine Robbe war – wer sollte sich in diesen schon verlieben? Der Mann, der mir vorschwebte, sollte einerseits relativ normal aber wiederrum auch sehr außergewöhnlich sein. Ein Mann eben, der ein Geheimnis hat, aber jeder von uns über den Weg laufen könnte. Also begann ich das Internet nach meiner Traumfigur zu durchstöbern.

Es dauerte nicht lange, da stieß ich auch schon auf den Namen: Shellycoat. Ein perfekter Name für den perfekten Protagonisten.

Jeder von Euch, der vielleicht nach dem Lesen  selbst schon einmal nachgeschaut hat, was es mit den Shellycoats auf sich hat, wird bemerkt haben, dass die Faktenlage ziemlich dünn ist.

Das Wort Shellycoats setzt sich zusammen aus shell (Muschel) und coat (Mantel) – Muschelmantel also. Nun trägt Calum natürlich keinen Muschelmantel (jedenfalls nicht in meinem Buch). Wir können uns aber vorstellen, dass er dies tun wird, sobald er mit Emma in Berengar angekommen ist.

Leider wird der Shellycoat in den Legenden oft als hässlich beschrieben und das ist Calum nun bestimmt nicht. Was der Shellycoat allerdings in der Mythologie sehr gern macht, ist unvorsichtige Menschen in den nassen Tod zu ziehen. Diese Rolle bekam Elin von mir auf den Leib geschrieben.

Ich habe mich bei der Charakterisierung „meiner Shellycoats“ von zahlreichen Artikeln inspirieren lassen, die ich dazu gefunden habe. Und es gibt viele Wasserwesen, die in den verschiedensten Legenden ihr Unwesen treiben. Vielen wird nachgesagt, dass sie junge Mädchen mit Harfenklängen verführen und in ihr nasses Reich locken. Darauf basiert auch die Angst, die Emma vor Calum hat, nachdem sie weiß, was er wirklich ist. Außerdem wird den Meermännern nachgesagt, dass sie Stürme entfesseln können, was Elin auch mehrfach unter Beweis stellt.

Mein walisischer Zweig der Shellycoats, die Gwragedd Annwn, die im dritten Teil eine nicht unwesentliche Rolle spielen, existieren in den Legenden ebenfalls wirklich. Sie leben mit ihren Frauen in Palästen auf dem Grund der walisischen Seen. Sie sollen unsterblich und ein sehr altes Elbengeschlecht sein. Unsterblich wiederum sollte Calum nicht sein. Um ihm aber mehr Lebenserfahrung zu verleihen, ließ ich meine Shellycoats langsamer altern.

Ihr seht, dass ich mich kräftig im schottisch-walisischen Sagentopf bedient habe und nicht alles, was ich beschrieben habe auch in seiner Ursprungsform so überliefert ist. Aber darum ging es ja auch nicht. Ich habe uns Calum einfach so zurecht geschneidert, dass er beinahe jeder Frau oder jedem Mädchen gefallen würde und das war doch das Wichtigste, oder?

Romantic & Fantasy Author