Ich liebe Weihnachten, … wirklich

Bevor ich mich von euch in meinen internetfreien Deutschland-Weihnachts-Urlaub verabschiede, möchte auch ich noch meinen Senf zu dem Thema abgeben.weihnachtsbilder051

Ich bin ziemlich kitschig veranlagt, das gebe ich gern zu. Deshalb mag ich Weihnachten wirklich gern. Ich liebe den Geruch von Tannennadeln und Kerzen. Ich backe liebend gern Kekse – auch wenn mir ausschließlich Vanillekipfel gut gelingen. Ich bestelle jedes Jahr Unmengen Bastelkram bei Jako -O und freue mich auf einen Adventssonntag mit Bastelorgie. Ich mag Weihnachtsmärkte, meinen selbst angesetzten Rumtopf, der hoffentlich nicht angefangen hat, zu schimmeln, wenn ich mich am Donnerstag darüber hermachen will, Weihnachtsmärchen und Grünkohl. Ich liebe Schnee – bevorzugt den, den ich nicht wegschippen muss. Und ich liebe es, meine riesengroße Familie um mich zu haben. Soweit so gut.

In Wirklichkeit ist diese Zeit ungefähr so besinnlich wie Tanzen im Gewitter. Die Rumrennerei nach Geschenken konnte ich zum Glück Amazon überhelfen (und meist kommt auch wirklich alles pünktlich). Einpacken kann mittlerweile auch meine große Tochter ganz schick. Die Plätzchen sind in der Regel in Windeseile aufgegessen und am Weihnachtstag schon wieder alle. Und bei den vielen Kindern, die während der Weihnachtstage bei uns rumrennen, bin ich froh, dass elektrisches Licht erfunden wurde, sonst wäre unser Haus schon dreimal abgebrannt. An den Weihnachtsmann glaubt sowieso keiner mehr richtig, egal wie viel Mühe wir uns geben. Stattdessen weigern die Kinder sich standhaft, auf ihren Instrumenten Weihnachtslieder zu spielen. Ich frage mich mittlerweile, weshalb ich das ganze Geld für Musiklehrer ausgegeben habe – musikalisch ist bei uns definitiv keiner (hätte ich es besser an Brot für die Welt gespendet). Lediglich beim einzigen Kirchenbesuch des Jahres darf mal nach Herzenslust falsch gesungen werden, wofür ich immer peinlich berührte Blicke meiner Kinder ernte. Meine Mutter versucht sich ab und an, an selbst geschriebenen Weihnachtsgeschichten aber ihre Enkelsöhne ziehen es vor, sich mit ihren Handys in irgendein Zimmer zu verziehen.

Es gab sogar schon mal ein beschauliches Jahr, da hätten wir uns beim Tabuspielen beinahe abgemurkst. Jetzt spielen wir Bingo oder Pokern – irgendwas Ungefährliches jedenfalls.Tannenbaum

Trotzdem freue ich mich jedes Jahr, auf ein noch beschaulicheres Weihnachten. Ein Ende des Chaos ist jedenfalls nicht in Sicht. Dieses Jahr ist auch die Uroma dabei und vielleicht bekommen meine Brüder bald eigene Kinder und stocken die Enkelschar weiter auf. Dann sind wir über zwanzig Menschen um den Weihnachtstisch und ich bin froh, dass der so groß ist wie Artus Tafelrunde.

Wie langweilig wird Weihnachten sein, wenn diese Zeit irgendwann vorbei ist. Wenn niemand mehr mit mir Plätzchen bäckt, das Haus schmückt und kitschige Weihnachtsfilme mit mit schaut. Was, wenn ich eines Tages kein Bild mit einem schiefen Tannenbaum mehr geschenkt kriege und niemand mehr mit mir Weihnachtsgedichte (die kein Schwein kennt) im Auto für eine der zahllosen Weihnachtsaufführungen in der Schule oder im Kindergarten probt. Irgendwann wird meine Mutter Heiligabend keinen Frikassee mehr mitbringen und wir werden uns am 25. 12. nicht mehr um 16 Stücke der Marzipantorte streiten. Ich hoffe, dass alle meine Nachbarn noch bei unserem alljährlichen Weihnachtsglühweinumtrunk am 23. dabei sind. Allerdings werden die Kinder dann wohl keine Schnellballschlacht mehr um uns herum machen. Irgendwie stelle ich mir das still vor. Und wer will schon eine „Stille Nacht“.

In diesem Sinne wünsche ich euch alle keine stille und besinnliche Zeit, sondern ganz viel Spaß mit euren Kinder, Männer, Frauen, Geschwistern und wer sich sonst noch einlädt (bei uns kommen mit Begeisterung immer noch die Freunde vorbei, die keine Kinder haben) – wir wollen mal nicht so sein. Ein Stühlchen findet sich immer noch und wenn es der ausrangierte Kinderhochstuhl ist, der derzeit nicht benötigt wird …)

4 Gedanken zu „Ich liebe Weihnachten, … wirklich“

  1. Erstmal vielen Dank für Ihr Schreibtalent!
    Ich freue mich auf Teil 3.

    Schön das Sie Weihnachten soviel gutes abgewinnen können.
    Ich freu mich das die Tage -hoffentlich-schnell vorbeigehen.

    Für Sie und Familie aber viel Freude und alles Gute.

  2. Wir wünschen Euch so fröhliche und turbulente Weihnachten, wie Du es beschreibst. Unsere Weihnachten waren immer toll, wenn wir weit weg in Amerika gefeiert haben. Zuhause war immer Chaos, man musste sich aufteilen zwischen schlecht gelaunten Eltern, die es bitte auf Knopfdruck gern feierlich hätten, in den letzten Jahren im jeweiligen Pflegeheim verbracht und der bitte dann noch wunderschönen Bescherung und einem herrlichen Weihnachtsessen mit dem Liebsten, zu dem man im Normalfall viel zu müde war, weil der Stress des Vorweihnachtsgeschäftes noch an den Knochen zerrte. Trotzdem liebe ich Weihnachten, mit Tannen und Kerzen und Schnee und ganz viel kitschiger Weihnachtsdeko im und ums Haus herum. Zumindest von der kitschigen Weihnachtsdeko und den Kerzen haben wir hier in Florida genug. Merry Christmas, liebe Marah und viel Spaß mit Deiner tollen Familie.

  3. liebe ina, dann wünsche ich mal frohe weihnachten euch allen!! wenn du willst dass es so weiter geht mit den bastelsonntagen den plätzchen backen und dem großfamilenchaos, dann schaff dir doch noch 3-4 kinder an :-)) nein…..es geht so weiter, bei uns ist inzwischen der schwiegersohn dabei, nächstes jahr vielleicht noch einer, dann eine großnichte die leben in die bude bringt und eh man es sich versieht kommen vielleicht die enkelkinder, obwohl meine töchter sich ja weigern überhaupt daran zu denken. und wenn sie dann alle groß sind werden sie trotzdem alle kommen und zusammen sitzen und ihr macht drei kreuze wenn sie wieder weg sind 🙂 man kann zweisamkeit auch wirklich sehr geniessen 🙂 gruß conny

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