Ein Jahr ist viel zu kurz

Ich habe gerade mal nachgesehen und festgestellt, dass ich nur einmal etwas zu meinem Auswandererleben geschrieben habe. Das muss ich sofort ändern, schließlich ist das Jahr fast vorbei. Schon jetzt kann ich sagen, dass wir gern noch bleiben würden. Die Gründe will ich Euch natürlich nicht vorenthalten :-). Das Leben hier ist einfach deutlich entspannter als in Deutschland.IMG_0099

Ich habe drei schulpflichtige Kinder – also einige Erfahrung mit dem deutschen Schulsystem. Hier gehört die Schule in die Schule. Lehrer und Schüler – das ist ein Miteinander, wie ich es nur in Ausnahmefällen an deutschen Schulen erlebt habe.  Alle meine Kinder gehen hier furchtbar gern zu Schule – ein Zustand, der in Deutschland äußerst selten vorkam. Das war Punkt 1 – ich muss die Freizeit mit meinen Kindern nicht mehr damit zubringen, für Klausuren zu lernen (gibt es hier nämlich nicht).

Punkt 2 – das schottische Wetter ist deutlich besser als sein Ruf. Ich übertreibe nicht, wenn ich behaupte, dass fast an jedem Tag unseres Hierseins die Sonne schien. Selbst im Winter war es selten kühler als 9 Grad. Was gibt es Schöneres, als sein Kind morgen über eine sonnige Strandpromenade zur Schule zu bringen und noch ein bisschen den Möwen zuzugucken. Schulen gibt es nämlich an jeder Ecke und ich muss nicht mit dem Auto irgendwo hin kutschen.images (1)

Punkt 3 – die Schoten sind das freundlichste Volk, dass mir je untergekommen ist. Hat sich von Euch schon mal jemand beim Aussteigen beim Busfahrer bedankt? Nein, oder? Machen die Schotten ständig – gehört zum guten Ton. Wenn ich an der Supermarktkasse bezahle kann ich sicher sein, dass die Kassiererin mich fragt, wie es mir geht und erwartet auch tatsächlich ein Gespräch. Da drängelt hinter mir aber keiner, dass es nicht schnell genug geht.

Die Busse fahren hier in jede Ecke, die Geschäfte haben jeden Sonntag auf, das Essen ist deutlich besser als sein Ruf, etwas zum Angucken findet man auf Jahre, die Landschaft ist bezaubernd und als wir mit unserer Kleinsten zum Zahnarzt mussten, wurde uns gesagt, dass Kinder bis 6 komplett kostenlos behandelt werden.

Die Sprache ist leider schwieriger, als ich vorher gedacht habe ;-). Ich hatte angenommen, dass ein paar Wochen Sprachschule reichen würden, um das irgendwie hinzukriegen. Pustekuchen – es ist ein bisschen mehr tricky. Aber was soll’s. Ich gehe fleißig dahin und habe eine weitere wundertolle Erfahrung gemacht. P1020891Ich habe nämlich Menschen aus aller Herren Länder kennengelernt – verschleierte Mädchen aus Saudi-Arabien, eine japanische Bäckerin, einen lustigen Russen, einen schüchternen Taiwanesen, ganz viele hübsche Italiener und aufgeschlossene Französinnen. Gemeinsam ziehen wir  jedes Wochenende um die Häuser, essen die merkwürdigsten Sachen und reden in aller Herren-Länder-Sprachen wild durcheinander. In unserem Kauderwelschenglisch haben wir trotzdem alle den gleichen Humor, die gleichen Träume und Wünsche.

Also ich würde das gern noch ein weiteres Jahr ausdehnen – doch die Wirklichkeit holt uns natürlich auch ein und wir müssen zurück. Nur unsere große Tochter, die wird bleiben und damit ein Grund immer wieder herzukommen. Es ist einfach zu schön und ich kann sie verstehen. Wer also von euch ein ähnliches Abenteuer plant – ihr müsst immer damit rechnen, dass ihr dann eins eurer Kinder früher los seid, als gedacht – aber dafür habe ich ja drei :-).

PS: Während ich hier schreibe, kocht mein Mann das Mittagessen. Unsere Großen kommen jeden Tag zum Lunch nach Hause und wir sind alle für eine Stunde zusammen – schön, oder?!

7 Gedanken zu „Ein Jahr ist viel zu kurz“

  1. Danke Marah für deinen sehr anschaulichen Bericht über das Leben in Schottland! Das macht Lust, sich auch mal über sowas Gedanken zu machen. Tja, wenn mein Zoo nicht wäre… ich hätte ja schon Lust zu einer Auszeit 🙂

  2. Liebe Marah, das hört sich alles klasse an
    Freut mich, dass ihr eine so wunderbare Zeit hattet und habt und uns daran teilhaben lasst 🙂 dann habt ihr ja mit eurer Großen eine immer anhaltende Verbindung für tolle Urlaube 🙂 das mit dem Danke beim Busfahren ist schon witzig, das kenne ich auch. Habe ja mal eine Weile in Birmingham gewohnt, da macht man das auch 😉 ist schon charmant.

    Sonnige Grüße aus Deutschland und ich freue mich auf Samstag,

    Bussi Jil

  3. Oooohhh, das liest sich ja geradezu paradiesisch!! Eine bewunderns- und beneidenswerte Erfahrung die Du da mit Deiner Familie gerade machst! 🙂
    Darf ich fragen wie alt Deine Tochter ist??? Will sie sich ein Leben in Schottland aufbauen?!

    GLG Natascha

  4. Liebe Mara, das klingt wundervoll! Ich habe selbst in Durham studiert, also zwar England, aber nahe der schottischen Grenze. Einige wunderschöne Stunden habe ich in Edinburgh verbracht. Schottland ist ganz große Klasse. Dort zu leben, wenn auch nur für ein Jahr, muss wundervoll sein.
    Das Einzige, was mich wirklich schockiert hat, waren die Häuser. Dünn wie Pappe, oder?!

    Ich wünsche dir noch ganz viel Spaß in Schottland!

  5. Liebe Marah,
    ich würde nach deiner Beschreibung am liebsten sofort auswandern! Realistischer gesehen werde ich mich vermutlich mit Urlaubtrips nach Schottland begnügen müssen. Wie schön für dich und deiner Familie, dass ihr diese zeit so genießen könnt. Dass deine große Tochter dort bleiben will, ist der beste Beweis, wie wundervoll das Leben dort ist! 🙂 vielen Dank für den tollen Bericht!
    LG
    Karine

  6. Liebe Marah,
    ich ziehe im Herbst selber nach Schottland und dein Bericht hat mir gerade noch mehr Lust darauf gemacht!
    Schottland bzw. Großbritannien im allgemeinen ist wirklich sehr toll, die Menschen sind alle furchtbar nett und hilfsbereit.

    Und du hast Recht, es regnet wirklich nicht öfters als zB in Deutschland. 🙂

    Ganz liebe Grüße
    Amelie

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