Die Kinder des Bundes

Ich veranstalte gerade eine Leserunde bei Lovelybooks und meine gestrige tägliche Frage zum Buch war, woher die Gabe meiner beiden Protagonisten kommen könnte. Ich hatte dazu natürlich von Anfang an eine Idee, war aber sehr interessiert, was meine Leserinnen darüber denken. Nachdem alle Beteiligten sich dazu geäußert haben, wollte ich ihnen meine Version natürlich nicht vorenthalten. Ich habe im Buch nichts dazu geschrieben, weil ich die Geschichte mit solchen Details nicht unnötig verkomplizieren wollte. Wen es aber interessiert, der kann Nathans Erläuterungen jetzt dazu lesen und wer weiß, vielleicht schreibe ich da mal irgendwann eine eigene Geschichte dazu.

„Du musst mir das erklären Nathan. Woher kommt diese Gabe? Ich habe immer gedacht, dass das Mal eine Tätowierung ist und nun lebt es plötzlich. Und wieso …“ Lucy stockte. „Wieso hast du es auch?“
„Ich werde versuchen, es dir zu erklären“, antwortete Nathan. „Es gibt dazu eine Legende. Sie besagt, dass die Aufgabe das Wort zu schützen auf den Auftrag Jesu zurückgeht, der seinem Jünger Johannes diese Aufgabe anvertraute: »Im Anfang war das Wort und das Wort war bei Gott, und das Wort war Gott. Im Anfang war es bei Gott. Alles ist durch das Wort geworden und ohne das Wort wurde nichts, was geworden ist.« 1418403_10151994743049532_675490420_n  Katharer
„Ich glaube nicht an Gott“, fühlte Lucy sich bemüssigt zu erklären. Er war nie für mich da.“
Nathan lächelte. „Das ist nicht sein Job, Lucy. Da hast du etwas falsch verstanden.“
„Mir ist gerade nicht nach theologischen Disputen. Also was hat Johannes mit dem Mal zu tun?“
„Johannes war angeblich der Lieblingsjünger Jesu. Er war es, der Maria Magdalena nach dessen Tod in Sicherheit brachte.“
Lucy verdrehte die Augen. „Nathan bitte. Das ist doch Quatsch.“
„Das kannst du gern so sehen und vielleicht ist es das. Aber so begründeten unsere Vorfahren ihre Aufgabe. Sie erhielten sie über Johannes direkt von Jesu, als Gottes Sohn.“
„Ok. Wohin brachte Johannes Maria Magdalena?“
„Nach Frankreich. Das ist ja wohl hinreichend bekannt.“
„Und was wurde dort aus ihr?“ Lucy war jetzt doch neugierig, was geschehen war.
„In den Geschichten, die heute kursieren, gibt es meistens die Annahme, dass Maria zum Zeitpunkt von Jesu Tod schwanger war.“
„Davon habe selbst ich gehört“, unterbrach Lucy ihn. „Sie bekam ein Mädchen und diese setzte die Blutlinie fort. Aber das ist doch ein Ammenmärchen. Jeder Historiker würde dich auslachen.“
„Das glaube ich nicht. Lässt du mich jetzt zu Ende erzählen?“
Lucy nickte.
„Sie bekam nicht nur ein Mädchen. Sie bekam ein Zwillingspärchen – einen Jungen und ein Mädchen.“
„Und diese beiden Kinder trugen das Mal?“, fragte Lucy flüsternd und Gänsehaut überlief sie bei dem Gedanken, was das für sie bedeutete.
Nathan nickte.
„Bedeutete das, dass wir miteinander verwandt sind?“
Jetzt verdrehte Nathan die Augen. „Lucy, das ist über zweitausend Jahre her. Die Linien der beiden ersten Kinder haben sich seitdem nie mehr vermischt.“
„Wieso nicht?“
„Es ist verboten. Niemand weiß, was danach mit der Gabe geschieht.“
„Waren die Male schon immer schwarz und weiß?“
Nathan schüttelte den Kopf. „Nein, das waren sie nicht.“ Er schwieg.
„Welche Farbe hatten sie?“, fragte Lucy ungeduldig.
„Sie waren blau, himmelblau. Angeblich war es die Lieblingsfarbe Jesu. Aber ob das stimmt, weiß ich nun wirklich nicht.“
„Was denkst du hat die Male verändert?“
„Maria scharte in Frankreich eine Menge Anhänger um sich. Sie trug ihnen auf, sich um die Kinder zu kümmern und ihr Vermächtnis zu erhalten – den Schutz der Worte.“
„Aber die Katharer gab es erst seit dem 11. oder 12. Jahrhundert.“
„Ja das stimmt. Ihr Glaube entwickelte sich spät und sie übernahmen die Verantwortung für die Kinder. Irgendwann in dieser Zeit wurden die Male schwarz und weiß.“
„Du weiß doch sicher, wofür schwarz im Dualismus steht“, fragte Lucy vorsichtig.
Nathan nickte. „Du meinst für das Böse.“
„Ja genau.“
„So sehen wir das nicht?“
„Das wundert mich gar nicht“, erwiderte Lucy…

Soweit zu meiner Erklärung. Ich bin gespannt, wie sie Euch gefällt und ich gebe gleich zu, dass ich die Idee, dass die Male im Laufe der Zeit ihre Farbe verändert haben, vorher nicht hatte. Das war die Idee meiner Lesrundenteilnehmer und ich finde sie supertoll – also gleich verarbeitet :-).

Ein Gedanke zu „Die Kinder des Bundes“

  1. Uui! Das hört sich richtig gut an! Freu mich schon auf deinen nächsten Bericht^^ Ich schau jeden Tag auf diese Seite und warte auf einen, muss aber diesmal leider etwas länger warten:‘ Hoffe du schreibst bald wieder etwas, liebe Marah^^

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